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Leseprobe 2


John wurde in Mogadischu, der Hauptstadt Somalias geboren und ist dort als Zweitjüngster mit seinen Eltern, drei Brüdern und vier Schwestern aufgewachsen. Sein Vater starb 2002. Zuvor arbeitete er als Träger, er hatte Lastwagen zu entladen und die Waren auf den Markt zu tragen, während seine Mutter sich um Haus und Kinder kümmerte.

Heute ist es sehr gefährlich in Mogadischu. Als ich ein Kind war, war es gut dort. Ich bin drei Jahre in die Schule gegangen, nur bis ich zehn Jahre alt war. Dann gab es Unruhen dort und ich musste mit der Schule aufhören. Es war nicht ein Problem des Geldes, meine Eltern hatten ein durchschnittliches Einkommen. Das Problem war, dass es zu gefährlich war, zur Schule zu gehen. So bin ich zu Hause geblieben und meine Eltern haben mich ein bisschen unterrichtet, aber nur im Koran.


Bis ich zehn Jahre alt war, war ich glücklich, nachher wurde alles sehr schlecht. Bis vierzehn war ich sehr unglücklich, ich bin am morgen zu Hause geblieben und habe den Koran gelernt. Ich habe nur Dinge aus dem Koran wiederholt und auswendig gelernt. Schreiben habe ich fast nichts gelernt. Am Nachmittag habe ich Essen (vor allem Yams) auf der Strasse verkauft. Ich habe es nicht selber gekocht, sondern von jemandem gekauft und dann weiterverkauft. Es war ein hartes Leben.


Es gibt zwei Gruppen in Mogadischu, die sich bekämpfen. Sie haben alles, Waffen, Jeeps, Panzer, alles. Es sind keine politischen Gruppen, es ist kein Militär. Sie sind mehr wie die Mafia. Ich weiss nicht, wie ich es erklären kann. Auf jeden Fall sind sie ein grosses Problem. Wahrscheinlich nicht in ganz Somalia, aber sicher in Mogadischu. Ich glaube, diese Gruppen kämpfen immer noch. Ich weiss es nicht genau, ich verfolge die Politik nicht. In Somalia bin ich immer in die Moschee gegangen. Ich befolge die religiösen Gesetze, egal, ob ich hier bin oder in Afrika. Es ist mir sehr wichtig. Über Politik weiss ich nichts, das interessiert mich nicht.

Johns Mutter lebt mit ihrem Bruder zusammen immer noch in Mogadischu. Ein Bruder von John lebt in Bern, ein anderer in Dänemark und eine Schwester in den USA. Die Familie, besonders die Eltern, waren ihm das Wichtigste in Somalia. Wenn er Geld für eine Telefonkarte hat, versucht er die Mutter anzurufen. Die Familie hatte zwei Häuser in Mogadischu. Eines dieser Häuser hat sein Vater verkauft, um seinen Sohn nach Europa zu schicken. John glaubt sich zu erinnern, dass die ganze Reise, eine Idee seines Vaters, rund 4000 Dollar gekostet hat.  (…)